Warum mache ich eigentlich…

…Radsport?

Es gibt Momente in denen ich sehr viel darüber nachdenke was ich gerade mache, in was ich meine Zeit (…und mein Geld) stecke und wie sinnvoll das ganze ist. Radsport und auch Sport im allgemeinen frisst sehr viel Zeit. Strava sagt mir, dass ich in den letzten 4 Wochen im Schnitt etwa 9 Stunden pro Woche auf dem Rad gesessen habe.  Letzte Woche waren es 13 Stunden. Das ist aber natürlich nicht alles. Dazu kommt noch die Zeit zum Umziehen, Reparaturen am Material, Yoga und natürlich auch die Planung bzw. Auswertung der einzelnen Trainings. Sicher ist, dass ich damit noch lange nicht so viel mache wie andere Amateur Sportler. Wenn ich mich mit anderen auf Strava vergleiche liege ich wohl in einem normalen Durchschnitt mit diesen Werten. Letzte Woche bin ich auf 340km gekommen. Mit Abstand das meiste was ich bisher innerhalb einer Woche gefahren bin. Damit liege ich im Verein auf Platz 10 von 33. Ich möchte viel fahren und das funktioniert aktuell auch für meine Verhältnisse sehr gut aber man sieht, dass sehr viel Zeit investiert werden muss um die eigenen Ziele erreichen zu können. Lohnt sich das?


Mein erstes Event dieses Jahr soll der Nordeifel Radmarathon werden. Etwa 200km quer durch die Eifel. Was bringt es mir sowas zu fahren? Es wird lang, schmerzhaft und wird vermutlich spätestens nach der ersten Hälfte absolut keinen Spaß mehr machen. Wenn der Kopf sich von Kurbelumdrehung zu Kurbelumdrehung hangelt und die Beine schon lange keine Energie mehr haben werden noch viele Kilometer zu fahren sein.  Für andere vielleicht eine einfach zu schaffende Strecke. Für mich eine große Leistung, für die ich noch viele Kilometer im Training abspulen muss um überhaupt eine Chance zu haben die volle Distanz zu erreichen.
Wenn alles gut läuft wird es etwa wie das 6 Stunden Rennen letztes Jahr in Zandvoort. Nur länger. Irgendwann werde ich aber im Ziel ankommen, doch was bleibt dann?

Das was bleibt ist der Grund wieso ich mir das ganze gebe und mich immer weiter steigern möchte. Nicht nur die Beine werden stärker wenn man aktiv Radsport betreibt.

Von Training zu Training und noch viel stärker von jedem erreichten Ziel zum nächsten bekommt man mehr Selbstbewusstsein und mentale Stärke die in vielen Situationen hilfreich sein kann. Man geht immer wieder an seine Grenzen und versteht wohl recht schnell das man diese überwinden kann wenn man es wirklich will. Der Moment in dem ich über die Ziellinie im 6h Rennen letztes Jahr gefahren bin war einfach nur genial. Zu wissen über die eigene Grenze gegangen zu sein und trotzdem ein, für mich, hoch gestecktes Ziel erreicht zu haben hat mich  sehr lange gepusht. Ein sehr gutes Mantra dazu habe ich in dem folgenden Satz gefunden:

Today I do what others won’t, so tomorrow I can accomplish what others can’t.

Es gibt auch im Alltag viele Situationen die sehr anstrengend sind, die sich in die Länge ziehen oder einfach nur nervig sind. Sport kann auch dabei gut helfen denn auch hier hat man die gleichen Situationen. Wenn ich am Start des 6 Stunden Rennens darüber nachgedacht hätte wie lang doch 6 Stunden sein können wäre ich wohl sehr schnell ausgestiegen. Doch wenn man überlegt das man ja eigentlich nur drei mal zwei Stunden unterwegs ist hört und fühlt sich das ganze schon viel einfacher an. Zwei Stunden sind ein einfaches und lockeres Training für mich, da weiß ich das es kein Problem ist die zu fahren.

Noch viel frischer hat sich ein anderer Satz in meinen Kopf gebrannt der auch sehr gut auf Sport passt und sich in den Alltag übertragen lässt:

DU bist das einzige Problem und DU bist die einzige Lösung – Benjamin Jaworsky

Viele stehen im Alltag immer wieder vor Problemen und finden dann viele gute Ausreden dafür wieso Probleme da sind, wieso man so lange single ist oder wieso das letzte Projekt im Beruf gescheitert ist. Es fällt Menschen leicht für alles eine passende Ausrede zu finden. Der erste Schritt in eine bessere Richtung ist es dann im Sport zu verstehen, dass man selbst für alles die Lösung sein kann. Niemand anderes außer ich selbst bin es Schuld wenn ich daran scheitern sollte den Eifel Marathon zu finishen. Nur ich selbst kann dafür sorgen das Richtige Training in der Vorbereitung zu fahren, am Renntag ausreichend Schlaf zu bekommen und mich ordentlich zu ernähren. Natürlich kann immer was dazwischen kommen was man selbst nicht Schuld ist oder beeinflussen kann. Am Tag des Marathons könnte wahnsinnig schlechtes Wetter sein. Das wäre schlecht und ich kann nichts daran ändern aber es liegt allein an mir was ich daraus mache. Ich könnte das ganze Event deswegen absagen und von zuhause auf Facebook posten, dass man ja unmöglich bei solchem Wetter raus gehen kann. Im ersten Moment fühlt man sich gut. Die Ausrede hat dafür gesorgt das man vielleicht einen schönen Sonntag auf dem Sofa und einer guten Serie hatte. Spätestens wenn dann Abends andere Teilnehmer auf Facebook posten dass sie den Marathon trotz allen Bedingungen gefahren sind wird man sich schlecht fühlen und sich selbst die nächste Ausrede einreden: „Die sind doch alle wahnsinnig bei diesem Wetter gefahren zu sein“. Ähnliche Situationen hat man dauernd im Alltag und im Job. Es kommen immer wieder Aufgaben und Situationen die man nicht vorhersehen konnte oder vor denen man sich gerne drücken will. Im Sport habe ich gelernt es trotz allem einfach zu machen, wenn man es dann geschafft hat fühlt man sich besser.
Es ist vollkommen egal was gerade los ist. Es ist vollkommen egal wie schwierig eine Aufgabe erscheint und es ist vollkommen egal ob man denkt daran scheitern zu können. Der wichtigste Schritt zum Erfüllen jeder Aufgabe ist dass man sich nicht den Ausreden hingibt sondern einfach startet.

Von Kilometer zur Kilometer. Ein Schritt nach dem anderen. Irgendwann kommt man an. Manchmal vielleicht mit Umwegen. Manchmal nicht da wo man hin wollte. Ein erreichtes Ziel ist es trotzdem.